Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2015/16) – BUY NOW

Zukunft im Rückspiegel

Auf einer Breite von nur 7,5 Metern

Autor: Magdalena Jöchler Fotos: AFF Architekten

Architektur AFF Architekten Objekt Haus Zivcec Kategorie Neubau Fassadenmaterial / Fassadenfirma Kalksandstein und Beton-Formsteine / WDVS Adresse Wilhelm-Wagenfeld- Straße 8, Weimar Bauherr Familie Zivcec Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 5/2005 Nutzfläche 111 m 2 Kosten € 150.000,– (KG 300–400) Auszeichnung 1. Platz Europäischer Kalksandsteinpreis 2005

Mit dem Ende der DDR wurden auch die russischen Truppen aus Weimar abgezogen, zurück blieb ein 300 Hektar großes Militärareal, eine Brache in bester Innenstadtlage. Davon hat die Stadtverwaltung nur wenige Jahre später einen Teil, ein Filetstück gewissermaßen, für das Stadtentwicklungsprojekt „Neues Bauen am Horn“ freigegeben. Das städtebauliche Konzept dazu lieferte der Wiener Architekturprofessor Adolf Krischanitz. Und weil Weimar für das Bauhaus bekannt ist, war es nur logisch und konsequent, dass das neue Stadtviertel wesentlich von diesem Stil geprägt sein sollte. Ähnliche Pläne gab es schon 1922, umgesetzt wurden sie allerdings nie.

Ein einfaches „Remake“ der damaligen Pläne sollte das neue Stadtquartier aber nicht werden, schreibt das Berliner Architektenduo Sven und Martin Fröhlich auf seiner Homepage. Vielmehr strebte man einen Projektionsversuch für die Zukunft des Wohnens im 21. Jahrhundert an, welcher vor allem auf neue Nachbarschaften setzt.

Auf einer kleinen Parzelle mit einer Breite von nur 7,5 Metern lieferten die beiden vor zehn Jahren einen beispielhaften Beitrag dazu. Als Reminiszenz an den Bauhausstil mussten alle Häuser mit einem Flachdach geplant werden. Stiltypisch sind auch die dabei verwendeten Materialien: Fertigbauteile, von lokalen Handwerkern gefertigte Holzfenster und Beton. „Besucher der Siedlung munkeln heute, dass den Häusern ein Dach fehle, im Inneren fänden sie sie aber alle sehr schön“, beschreibt Architekt Martin Fröhlich die Reaktionen von Passanten. Betreten wird das U-förmige Haus über einen Innenhof, drumherum gliedern sich die Küche und der hallenartige Wohnraum.

„Im Grunde kann man wie bei einem Teleskop durch drei Räume bis auf die Straße durchschauen“, so Fröhlich. Damit umgekehrt nicht allzu viele neugierige Blicke nach innen fallen, wird der Innenhof von einer Mauer begrenzt. Wie ein Ornament legen sich die durchbruchplastischen Betonwürfel an die Grundstücksgrenze – damit lassen die Architekten einen Baustein der Plattenbauten aus den 1970er-Jahren wiederauferstehen, welcher zur Aufhübschung der tristen Fassaden erfunden wurde.

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