Aus 100 ÖSTERREICHISCHE Häuser (Ausgabe 2014/15) – BUY NOW

Haus mit Vorsatz

Neue Hülle, alter Kern für ein Haus aus den 1960er Jahren

Autor: Carlos Oberlechner Fotos: Adolf Bereuter

Architektur Jochen Specht Web www.jochenspecht.com Objekt Haus Hohlen Kategorie Umbau, Niedrigenergiehaus / Passiv- haus, Holzbau Adresse Dornbirn Bauherr Jochen Specht Nutzfläche 226 m2 Kosten EUR 600.000,– Auszeichnungen Das beste Haus 2015; Vorarlberger Holzbaupreis 2015; Hypo-Bauherrenpreis 2015; Häuser Award 2015 (Anerkennung) Fotos Adolf Bereuter

Architektur ist Baukunst. Aber nicht nur. Faktoren wie Charakter, Seele und vor allem Emotion bestimmen wesentlich den Stellenwert eines Gebäudes mit. Letzteres, das „Empfinden“, war es auch, das dazu führte, dass ein altes, gestalterisch geringwertiges Haus aus den frühen 1960ern dennoch den Kern eines umfassenden Neubaues bildet. In exponierter Lage oberhalb von Dornbirn, mit besonderer Aussicht über das Rheintal und den Bodensee, ließ sich Jochen Specht als Architekt und Bauherr in Personalunion auf dieses Experiment ein. „Meine Familie und ich bewohnten das alte Haus schon ein paar Jahre als Mieter, bevor wir es schließlich erwarben“, erinnert er sich. Aufgrund der beengten Raumkapazität stand eine umfassende Erweiterung an; die Option, das alte Haus abzureißen, war jedoch nie ein Thema. „Vieles Schöne, das ich mit dem Haus verbinde, wäre mit einem Abbruch unwiderruflich verloren gegangen“, erzählt der Architekt.

Stattdessen wurde das 50 Jahre alte Haus bis auf den Rohzustand skelettiert und eine neue Gebäudehülle darübergestülpt. Das Spannende daran: Ehemalige Fensteröffnungen wurden zu Durchgängen, ein altes Küchenfenster zur Durchreiche bzw. sonstige Öffnungen als Nischen weiterverwendet. All diese „Transformationen“ hatten ein und denselben Grund, nämlich den Altbestand im neuen Gebäude erlebbar zu machen. Die neue Gebäudehülle wiederum zeigt sich als leichte Holzkonstruktion, die derart einen Kontrast zum bestehenden Massivbau bildet und aufgrund ihrer bauphysikalischen Beschaffenheit einen hohen Dämmwert hat, der den Kennwerten eines Niedrigenergiehauses entspricht.

Auf die schöne Lage inmitten der Natur mit hangseitiger Bewaldung reagierte man mit großflächigen Verglasungen, die praktisch von jedem Punkt im Inneren vielfältige Ausblicke ermöglichen. Dass man die Fassade in einem dunklen Farbton gehalten hat, erklärt Jochen Specht so: „Das frühere Haus war weiß und weithin sichtbar. Man musste bei der Vergrößerung der Kubatur daher mit Augenmaß vorgehen, damit diese der exponierten Lage gerecht wird. Durch die dunkle Farbe erscheint das Gebäude weit weniger dominant und fügt sich daher besser in die Landschaft ein.“ Das Haus im Haus – ein gelungenes Experiment? „Jeder Tag findet zugleich im Alten als auch im Neuen statt. Eine architektonische Symbiose“, betont der Planer und Benutzer in einem.

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