Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2016/2017) – BUY NOW

Duo im Takt

Wie zwei Tänzer, die auf ihre Umgebung reagieren

Autor: Hannah Stadlober Fotos: Josefine Unterhauser

Architektur Finsterwalder Architekten (Maria José Finsterwalder da Silva Araújo, Rudolf Finsterwalder) Objekt Fred & Ginger Kategorie Neubau, Holzbau Fassadenmaterial Holz-Stulpschalung Adresse Stephanskirchen Bauherr Rudolf Finsterwalder Planungsbeginn 05/2014 Fertigstellung 11/2015 Nettonutzfläche Fred ca. 120 m2, Ginger ca. 140 m2 Kosten ca. EUR 550.000,–

Alles begann in einer Galerie in Salzburg. „Wir waren bei Thaddaeus Ropac eingeladen“, erinnert sich Architekt Rudolf Finsterwalder. „Dort standen viele Skulpturen.“ So kam es zu den ersten Skizzen für zwei kleine, ungewöhnliche Holz-Wohnhäuser, die bald den Namen „Fred & Ginger“ in Anlehnung an das berühmte Tanzduo Fred Astaire und Ginger Rogers tragen sollten. Die Idee dafür lieferte eine ältere Dame am Bauamt, die meinte: „Die Häuser tanzen so schön.“

Damit sprach sie dem Architekten und Bauherrn Finsterwalder aus der Seele: „Ich wollte zwei Häuser mit skulpturalem Ansatz, die in einer Beziehung zueinander stehen.“ Dynamisch sollten die Baukörper sein, wie zwei Tänzer, die aufeinander und auf ihre Umgebung reagieren – oder besser gesagt: auf den Bauplatz.

Denn dort steht eine Birke, die Finsterwalder unbedingt erhalten wollte. „Das ist ja eher untypisch für einen Architekten“, findet er. Um den Wurzeln genug Raum zu lassen, wurde „Gingers“ Erdgeschoss relativ weit weg vom Baum gebaut, das erste Obergeschoss springt nach vorne, und das zweite kippt regelrecht in den Baum. „Es sind keine Häuser für jedermann“, so der Architekt. Das habe man auch beim Vermieten gemerkt. Wegen der ungewöhnlichen Winkel hätten manche Besucher bei der Besichtigung gleich wieder den Ausgang gesucht.

Bei all der Experimentierfreudigkeit ist es ihm ein Anliegen, bezahlbare und nachhaltige Häuser zu entwerfen. Für Außen- und Innenwände, Dach und Decken verwendete er daher PHE-Platten. „Das klingt jetzt nicht sehr sexy“, sagt Finsterwalder – und gerät trotzdem ins Schwärmen: Vor allem in Sachen Statik, Wärmedämmung und Akustik bewähren sich die aus Fichtenhölzern bestehenden Platten, die ohne Leim mit Aluminiumnägeln miteinander verbunden sind. „So leben die Bewohner mit dem Baum und in dem Baum“, meint er. Und tatsächlich: Durch die kleine Grundfläche der Häuser – sechs mal neun Meter – und die nach oben hin auskragenden Etagen ähneln sie Bäumen mit ihren Kronen.

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