Aus 100 working SPACES (Ausgabe 2016/2017) – BUY NOW

Campus-Atmosphäre

Das Team von Studio Banana im Gespräch mit 100 SPACES

Autor: Rosa Schaberl Fotos: Studio Banana

Begründet von Ali Ganjavian, Key Kawamura und Alex Barona ist Studio Banana eine multidisziplinäre Kreativplattform. In den Büros in Lausanne, London und Madrid werden neue Architekturkonzepte, ungewöhnliche Produktdesigns, besondere Grafikdesigns und unendlich vieles mehr entwickelt.

Weitere Projekte von Studio Banana in 100 SPACES:

Headquarter Studio Banana in Madrid / 

Headquarter McCann Worldgroup in Madrid

Büro Fintech FUSION in Genf

Was hat sich wesentlich an den Anforderungen an Büroräume bzw. Arbeitsplätze geändert?

Seit den 00er Jahren übt die Verbreitung von Mobiltechnologie und virtueller Zusammenarbeit einen enormen Druck auf die Arbeitsumgebung, wie wir sie vorher gekannt haben, aus. Der Arbeitnehmer ist nun ein Nomade – die Wahl seines Arbeitsplatzes hängt von einer bestimmten Aufgabe, Mentalität, Affinität oder rein von der Bequemlichkeit ab. Dieser radikale Paradigmenwechsel hat starke Auswirkungen auf die Funktionalität, die Bedeutung und die Identität des zeitgenössischen Arbeitsplatzes. Der Arbeitsplatz ist nicht mehr nur der Ort, an dem ich meine Arbeit erledige, sondern ein Katalysator der körperlichen Begegnung und Kooperation, die so in einer virtuellen Umwelt nicht stattfinden könnten.

Wie, denken Sie, sieht das Büro der Zukunft aus?

Das Büro der Zukunft wird sicher weniger ein Büro als ein Campus. Mit verschiedenen Aktivitätsbereichen, unterschiedlichen Nutzern, die sich ihre Art zu leben und zu arbeiten selbst aussuchen und mitgestalten, Forschung und Wissen wird für alle zugänglich sein. Es wird Raum für Inspiration und Überraschung geben und einen starken Sinn für Gemeinschaft und Zugehörigkeit in verschiedenen Maßstäben. Aber natürlich kommt man mit dem Fahrrad ins Büro und nicht mit dem Auto.

Welche „neuen“ Räume gilt es zu berücksichtigen?
(Fitness-, Meeting-, Ruheräume)

Grundsätzlich müssen wir bedenken, dass der Nutzer dieser neuen Räume nicht nur arbeitet, sondern tatsächlich ein Drittel seines Lebens in dieser Umgebung verbringt. Auch auf die Bedürfnisse der neuen Generation Rücksicht
nehmend, sollten Arbeitsplätze die Möglichkeit bieten, Kontakte zu knüpfen und die Interaktion mit den Kollegen zu fördern. Es sollte die Möglichkeit geboten werden, in unkonventionelleren Räumen zu arbeiten, wie zum Beispiel in einem firmeninternen Café- oder Lounge-Bereich. Aktivitäten, die das Wohlbefinden, das Lernen und das Familienleben unterstützen, sollten gefördert werden. Abgesehen von den Mitarbeitern muss aber auch bedacht werden, dass es für Unternehmen immer wichtiger wird, näher an den Kunden heranzutreten. Zum Beispiel durch offene Testlabors, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume.

Was muss ein Auftraggeber
wissen, wenn er seine Büroräume neu organisieren will?

Bei Studio Banana fragen wir unsere Kunden sehr genau, wie sie ihre Werte definieren (und wofür sie stehen), über ihre Vision (wohin sie wollen) und nach ihrer Kultur (wer sie sind) – also welches Image sie von sich selbst haben und welches sie nach außen repräsentieren wollen. All diese qualitativen Aspekte und Eigenschaften sind wichtig zu definieren, wenn man sein Büro neu gestaltet haben möchte. Quantitative Aspekte wie die Anzahl der Mitarbeiter, Teams oder auch Besprechungsräume sind notwendig, aber nicht ausschlaggebend für das Design.

Welche Themen haben die größten Konfliktpotenziale im „Change Management“?

Das einzige gefährliche Thema für ein modernes Unternehmen wäre die mangelnde Bereitschaft, sich zu ändern. Wenn die Strukturen fixiert sind, die Hierarchien eingefroren und der Status quo überhandnimmt, ist es unmöglich, den Wandel zu bewältigen. Und es ist klar, dass die Fähigkeit, sich neuen Kontexten anzupassen, die wesentlichste Eigenschaft ist, die ein Unternehmen stark und belastbar macht. Das kann natürlich auf die Arbeitsbereiche wie auch auf die Arbeitskultur selbst umgelegt werden. Unsere persönlichen Lieblingskunden sind diejenigen, die ihre eigene Tradition kennen, aber nicht zwanghaft dabei bleiben – und sich eine Lebendigkeit bewahren.

Welche „Hilfestellungen“ können räumliche Lösungen für neue Bürostrukturen bieten?

Moderne Unternehmen sind dynamisch, vielfältig, integrativ, flexibel und agil. Eine Umgebung, egal, ob Raum, Werkzeug oder Objekt, kann mit Sicherheit so designt sein, dass sie sich diesen Attributen anpasst. So kann ein gut durchdachter Raum ebenso als Veranstaltungsraum für ein junges Publikum, als Schulungsraum für die Mitarbeiter und als kooperative Werkstattumgebung funktionieren. Geht man davon aus, dass Informationen das größte Gut eines wirtschaftlichen Unternehmens sind, muss man darauf achten, dass ein Büro den Austausch der Informationen fördert. Der Raum muss offen, fließend und visuell einladend sein.

Wie das McCann – Headquarter nun aussieht, zeigen wir übrigens auch hier

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