Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2016/2017) – BUY NOW

Barocker Beton

Von Grund auf ungewöhnlich saniert

Autor: Rosa Schaberl Fotos: koeberl doeringer architekten

Architektur koeberl doeringer architekten (Albert Köberl, Alfons Döringer) Web www.koeberl-doeringer.com Objekt Haus über der Gasse Kategorie Umbau Fassadenmaterial Beton Adresse Passau Bauherrin Margot Meierhofer Planungsbeginn 2010 Fertigstellung 2011 Nutzfläche 772 m2 Kosten k. A. Auszeichnungen Architekturpreis Beton 2014

In Passau ist es ziemlich schwierig, nicht vor einem denkmalgeschützten Haus zu stehen. Die Stadt, an der Ilz, Inn und Donau aufeinandertreffen, war immer ein strategisch wichtiger Punkt. Davon haben nicht nur ihre Bewohner profitiert, sondern vor allem die Architektur. Die so bekannte Passauer Innenstadt wurde zwischen 1662 und 1680 – nach zwei verheerenden Bränden – erbaut. Das Haus in der Schmiedgasse 32 ist vergleichbar jung. Erst im 18. Jahrhundert wurde es in der sich immer weiter verdichtenden Stadt in einen Gasseneingang gesetzt. Das „Haus über der Gasse“, wie es die Architekten Albert Köberl und Alfons Döringer nennen, wurde nun grundsaniert und renoviert. Auf ungewöhnliche Weise – will sich die Sichtbetonfassade auf den ersten Blick doch nur widerstrebend in das barocke Bild einpassen. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn bei der Renovierung wurden selbst kleinste Details von den Architekten hinterfragt.

Material und Proportion ebenso wie Farbigkeit. Hinzu kommt, dass der Beton widerspiegelt, was das schmale Haus doch so lange war: eine Gasse. Hinter der Fassade versteckt sich jedoch mehr als ein historisches Statement, die zwölf Zentimeter starke Kerndämmung trägt zu den Energiestandards bei und senkt die Heizkosten. Auch im Innenraum dominiert der Beton, im Zusammenspiel mit den hölzernen Dielen erzeugt er hier eine spannende Wohnatmosphäre. Dass diese nicht nur spannend, sondern auch harmonisch warm ist, liegt nicht zuletzt an einem neuen Heizsystem. Heizkörper sucht man vergebens, denn die Kupferrohre im Wandheizsystem temperieren das Haus optimal.

Um das Historische mit dem Modernen zu verbinden, mussten aber obendrein Schwierigkeiten bewältig werden. So wurde der historische Dachstuhl erhalten, musste aber mit einem speziellen Trockeneisverfahren gereinigt werden. Der offene Dialog mit den Behörden und dem vielbeschäftigten Passauer Denkmalschutzamt war den Architekten ebenso wichtig wie mit der ambitionierten Bauherrin. Davon und von der Detailgenauigkeit von koeberl doeringer architekten profitiert das schmale Haus nun. Denn warme Wohnatmosphäre und Sichtbeton sind hier ebenso wenig ein Gegensatz wie historisches Gemäuer und moderne Architektursprache.

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