Aus 100 DEUTSCHE Häuser (Ausgabe 2016/2017) – BUY NOW

Mauersicht

Langgezogen, aus dem Material der Stadt

Autor: Hannah Stadlober Fotos: Tobias Wille

Architektur Nalbach + Nalbach (Johanne Nalbach) Web www.nalbach-architekten.de Objekt Townhouse P15 Kategorie Neubau, Niedrigenergiehaus / Passivhaus Fassadenmaterial Klinker im Stromverband Fassadenfirma Wittmunder Klinker Adresse Berlin-Mitte Bauherr Privat Planungsbeginn 2004 Fertigstellung 2008 Nutzfläche ca. 750 m2 (Nettonutzfläche ca. 650 m2) Kosten ca. EUR 1,8 Mio. Auszeichnungen da! 2009 Architektenkammer Berlin

Anhand des Friedrichswerders lässt sich gut ein Stück Berliner Stadtgeschichte erzählen: Er zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten Berlins und ist mit seinem ungleichmäßigen Straßenraster anders als andere Stadterweiterungen, die hier alle einen orthogonalen Grundriss haben. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile von Friedrichswerder zerstört, vor allem im südlichen Bereich zwischen Werderschem Markt und Hausvogteiplatz. Heute steht dort eine Reihe von Stadthäusern. Man wohnt in bester Lage – nämlich Berlin-Mitte –, aber mit Garten oder großer Terrasse, wie in einer Vorstadt. Das Beste aus beiden Welten also.

Inmitten dieser innerstädtischen Idylle entwarf Architektin Johanne Nalbach sieben Einfamilienhäuser. Schmal und hoch sind die „Townhouses“: sechs bis sieben Meter breit, vier bis fünf Etagen hoch und dreizehn bis achtzehn Meter tief. Was jedes einzelne von ihnen so herausfordernd macht, sind die langgezogenen Geschosse, die Architekten vor allem bei der Belichtung vor Probleme stellten.

Nalbach entschied sich beim „Townhouse P15“ am Caroline-von-Humboldt-Weg für einen offenen Grundriss. Soll heißen: weiträumige Flächen, die ineinander übergehen, ohne durch Wände unterteilt zu werden. Dadurch fließt so viel licht wie möglich durch die Etagen. Auch wenn alle sieben Häuser von Nalbach schon aufgrund ihrer Ausmaße optisch zusammengehören, gleicht keines dem anderen, hatten doch auch die Bauherren einiges mitzureden. Das merkt man u. a. an den unterschiedlichen Fassaden. Im Fall des „Townhouse P15“ besteht diese etwa aus Klinker, dessen einzelne Steine im Tageslicht in den verschiedensten Farben schillern; ein Effekt, der dem speziellen Rohmaterial und Brennprozess geschuldet ist. Auch hier war der Architektin eine Verbindung zur Baugeschichte Berlins wichtig. Von „regionalen Bezugspunkten“ ist die Rede und von der „Materialität der Stadt“, die sich in den Stadthäusern widerspiegelt. So ist etwa der Klinker auch im Rest von Berlin-Mitte keine Seltenheit.

Processing...
Thank you! Your subscription has been confirmed. You'll hear from us soon.
Newsletter
ErrorHere